Projekt „GFK-Klassiker“: (1) Ein „Abenteuer“ nimmt seinen Lauf

von Chrischan Ritter / am 22.10.2018 / in Allgemein

Die Bucht ist voll mit Jollen, Katamaranen, Kitern, Surfern. Sommer 2014, mein Blick wandert über die Orther Bucht. Wir stehen auf dem Deich in Gold, einer kleinen Ansammlung von Pensionen an der Südküste Fehmarns. Im westlichen Teil der Bucht die Einfahrt zu den Marinas Orth und Lemkenhafen, dahinter im Dunst der Leuchtturm „Flügge“.

Eine seit über 20 Jahren vergrabene Sehnsucht kroch in mir hoch. Ich sah meine Frau neben mir an: „Du hast doch noch nie gesegelt. Wollen wir nicht mal zusammen eine Jolle mieten und auch über die Bucht segeln?“

Meine Segelscheine habe ich immer dabei. Boot mieten und mit einer Jolle raus auf die Bucht und rüber zur Tonne Orth-1. Südlicher Wind 3 bis 4 Bft. Meine Frau sitzt an die Pinne und lernt erst einmal Kurshalten   – nicht ganz einfach, die Pinne ist bekanntlich kein Lenkrad. Wenn sie sich aber konzentriert, steuert sie schnell ganz ordentlich und wir üben Wende, Q-Wende, Halse, POB. Weitere 4 Segelstunden auf der Bucht folgten.

Dann kam der ganz entscheidende Tag. Westwind 3 bis 4 Bft, also auflandig. In Gold muß man vom Wasser aus starten. Am Ufer ist es sehr flach. Das Boot muß erst etliche Meter im Wasser laufend vom Ufer weggezogen werden. Da ist es aber zu tief für mich. Mit meinen damals 66 Jahren kann ich nicht mehr ins Boot klettern. Abbruch. Frust. Aber ein zartes Pflänzchen, ein erster Ansatz zu einer „Idee“ war geboren!

Es folgten Gespräche über meine „Bootsliebe“ und die Segelei: Lehre zum Bootsbauer bei Abeking & Rasmussen (Lemwerder, 1966 – 1969). Zu langes Warten auf den Studienplatz zum Schiffbauingenieur, deshalb Informatik-Fachschulstudium in Berlin. 1974 Segelschein auf Havel und Wannsee, im selben Jahr Erwerb eines „Laser“ (Baunr. 12226), erste Regatten im Herbst, 1975 Kieler Pfingstbusch und Kieler Woche mit Qualifikation für die Europameisterschaft am Comer See. Ab 1976 kam dann das Regattasegeln auf „Tai Fat“, einem 42 Fuß dänischen Admiralscupper hinzu. Gefolgt von vielen Meilen auf Dickschiffen bei Regatten und auf Touren. Anfang der 1990er Jahre kam dann, familienbedingt, die große Pause   – bis zu jenem denkwürdigen Tag, 2014, auf dem Deich von Gold.

Meine Frau wollte tiefer in die Tourensegelei reinschnuppern, aber, anfangs zumindest, nicht auf zu großen Booten und nicht auf der offenen See ohne Landsicht. Im Sommer 2015 charterten wir zweimal, jeweils 1 Woche, eine Yacht. Zuerst waren wir von Flensburg aus mit einer ETAP 21  – viel zu klein für uns alte Leutchen –  auf der Förde unterwegs. Dabei haben wir Graasten (Egernsund,DK) besucht, weil ich dort einen der Ur-Eigner von „Tai Fat“ wiedertreffen wollte. Nach 40 Jahren ein tolles Wiedersehen. Aber auch Sonderburg und Gelting haben wir kennengelernt. Danach waren wir mit einem Folkeboot aus dem Jahr 1946 (!) auf der Schlei und vor Damp unterwegs. Gewohnt haben wir allerdings in einem Hotel an der Schlei.

Nach einem Probesegeln auf seiner „Marieholm“ machte uns unser dänischer Freund von der „Tai Fat“, ehemaliger Bootshändler und Schiffsausrüster, auf den dänischen GFK-Klassiker „Bianca 27“ aufmerksam. Nach und nach entdeckten wir die Qualitäten dieses legendären Bootstyps und begaben uns auf die Suche nach einem Kaufobjekt.

Auf Fehmarn haben meine Frau und ich eine kleine Unterkunft, die wir so oft wie möglich an Wochenenden und in Ferien nutzen. Wir wandern viel und gehen sehr gern auch durch die Marinas von Burg und Orth. Dabei stellen wir immer wieder fest, wie wenig manche Sportboote von ihren Eignern wirklich genutzt werden. Wir selbst machen schon seit Jahren Carsharing. Und da war sie, die Idee. Das zarte Pflänzchen war zu einer stattlichen Pflanze geworden: Wir entwickelten ein BoatSharing-Konzept.     > Fortsetzung folgt <  

oder mehr zum Projekt auf  http://sail-classic.com

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